Was tun gegen Populismus?

Die engagierten studentischen Autoren von Soziologie Magazin haben eine Reihe zu dem Thema, von denen ich zunächst diesen hier gelesen habe: Über den Umgang mit Populisten: Ausgrenzung oder Annäherung? Der Autor diskutiert die beiden Alternativen mit Hilfe von Philosophen wie Voltaire oder Welzer, die die Abgrenzungsstrategie vertreten, weil eine Auseinandersetzung ihrer Ansicht nach ohnehin nicht möglich ist. Es gibt aus ihrer Sicht keine Möglichkeit, dem Fanatismus verfallenen Personen mit Informationen zu überzeugen und ihnen den gesellschaftlichen Raum zu bieten Ihre Hetze zu verbreiten würde das Problem nur vergrößern. 

Auf der anderen Seite gibt es auch solche, die den Dialog mit Populisten für möglich und notwendig halten, unabhängig davon, ob man sie umstimmen kann. Wenn ich das richtig verstehe geht es einfach aus Prinzip darum, die Ängste zu aktuellen Entwicklungen aufzugreifen und zu bearbeiten. Durch die Weigerung eines Dialoges kann der Eindruck einer geschlossenen Elite verstärkt werden, die ausschließlich ihre eigenen Interessen vertritt. Ein weiteres Argument ist aus meiner Sicht ein biblisches: Man kann nicht pluralistisch sein und dann eine Meinung ausschließen, dann verhält man sich ebenso wie die Populisten. Interessant, aber letztlich für die Handlungsebene irrelevant ist die Analyse, dass der Populismus eine positive Funktion haben könne, in dem er die etablierte Politik dazu bringe, sich wieder stärker an den Menschen anzunähern.

Die Hoffnung besteht, dass durch eine Veränderung der Politik, die Menschen nicht mehr de Populismus verfallen. Das ist vor dem vorhergesagten schwer zu glauben, weil die Autoren ja ausführen, dass Fanatiker nur nach dem Bestätigen ihrer Meinung suchen.

Der Autor bringt drei Beispiele für den Umgang mit Populisten aus Skandinavien: Schweden, in dem sich die etablierten Parteien den populistischen Parteien verweigern, sowie Dänemark und Norwegen, die sich jeweils öffnen. Einigermaßen erfolgreich scheint nur Norwegen, in dem sich die Populisten eher dem Mainstream angenähert haben als umgekehrt. Die Verweigerung in Schweden bringt nichts, die Populisten sind drittstärkste Kraft. In Dänemark hat die populistische Partei maßgeblich die Mainstreampolitik beeinflusst. Es stellt sich hier die Frage nach den Indikatoren für eine solche Analyse.

Ich persönlich fänd es auch fruchtbarer, über die Wähler nachzudenken und wie diese zurück gewonnen werden könnten. Und da sehe ich nicht nur die Politik in der Pflicht, die ja sehr begrenzte Möglichkeiten hat. Aus netzwerktheoretischer Perspektive muss es möglich sein, durch die Gestaltung von Netzwerken, einzelne Personen wieder aus den Fängen der Nazis zurück zu gewinnen, nicht alle, aber die große Mitläufermasse. Da ist es dann auch nicht so wichtig, was die Politiker so reden. Vielmehr wäre es erfolgsversprechend, Integrationaktivitäten zu starten: Mehr mit den Nachbarn zu reden, auch mit denen, die nicht der eigenen Meinung sind. Meine Frage ist nur, wie und worüber.

Ein Kommentar zu „Was tun gegen Populismus?

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  1. Die Alternative von Einbindung oder Ausgrenzung finde ich sehr interessant. Da viele Menschen nicht unbedingt ideologisch fest sind und eher Stimmungen folgen, bietet sich Einbindung und das Setzen positiver Alternativen an, die zwar Ängste und Enttäuschungen ernst nehmen, aber eben andere Angebote machen. Schwer zu erreichen ist sicherlich der ideologisch verbohrte Kern, der jedoch sehr viel kleiner ist und wenn ihm die Masse nicht folgt auch eher ungefährlich.

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